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Jill, 1994, Ines De Nil

Bild: Jill, 1994 © Ines De Nil

28.3. →
2.5.2026

Jill, 1994, Ines De Nil

Ines De Nil. We Exist.

„Ich wollte die Menschen stets so zeigen, wie sie sich zeigen wollten.“

Ausstellung

Ines De Nil ist Fotografin und Filmemacherin, die in den späten 1980er- und 1990er-Jahren die queere autonome Szene porträtierte. Bislang wurde nur ein Teil ihres umfangreichen Lebenswerks öffentlich gezeigt. Mit ihren Arbeiten bewegt sie sich an der Schnittstelle zwischen dokumentarischem Zeugnis und künstlerischer Fotografie. Sie eröffnen Einblicke in Räume der Intimität und des Selbstausdrucks, die für die Entwicklung einer sichtbaren queeren Kultur von zentraler Bedeutung waren und sind.

Viele dieser Räume und Personen sind heute kaum dokumentiert, sei es aus Gründen des Selbstschutzes oder weil das damalige Geschehen als zu abseitig oder nischig galt. Inmitten dieses Geschehens baute Ines De Nil echte Beziehungen zu den Menschen, die sie fotografierte, auf. Dabei folgte ihre Arbeit einem einfachen Prinzip: Menschen so zu zeigen, wie sie gesehen werden wollten, was ihr ermöglichte, das unmittelbare und unverstellte queere Leben abzubilden. 

Entstanden sind Fotografien voll sex- und körperpositiver Bildsprache, geprägt von geteilter Gemeinschaft und gegenseitigem Respekt. Keine der porträtierten Personen trat verkleidet oder verfremdet auf; vielmehr existieren sie in ihrer eigenen Authentizität und Schönheit  – sichtbar und selbstbestimmt.

Denn dies war ein zentrales Anliegen der Künstlerin:

„Ich wollte die Menschen stets so zeigen, wie sie sich zeigen wollten.“

Ines De Nil, Jahrgang 1947, lebt seit 2024 in Dresden. Vinzenz Damm erschließt seit 2025 ihr fotografisches Werk, produzierte und kuratiert die im FOTOFORUM DRESDEN stattfindende Ausstellung.

Die Künstlerin

Ines De Nil (*1947) absolvierte zunächst eine Berufslehre als grafische Zeichnerin in Essen und studierte dort Ende der 60er Jahre an der Folkwangschule Fotografie und Grafik. Nach ihrer Ausbildung führte sie die Beziehung zu einem Schauspieler nach West-Berlin, wo sie Volker Pleines kennenlernte und mit diesem zusammenzog. 

Gemeinsam bahnten sie sich einen Weg in die damals entstehende queer-aktive Szene: Volker Pleines wurde zu Elvira Westwärts und Ines De Nil begann mit ihrer freien fotografischen Arbeit. Beide landeten Anfang der 90er Jahre im SO36, wo sie eigene Veranstaltungsreihen wie “Hungrige Herzen” mit organisierten und dokumentierten.  In diesem Zeitraum von 1989 bis 1997 entstanden mehrere tausend Fotos.

Ende der 90er Jahre veränderten sich viele der eingeschlagenen Wege und Ines wandte sich verstärkt der Malerei und dem Filmemachen zu. 1996 veröffentlichte sie den Fotoband “Zarte Sachen”. Noch 2024 war sie freiberuflich in Berlin tätig, musste allerdings krankheitsbedingt und aufgrund der schwierigen Wohnraumsituation, Berlin verlassen und lebt seitdem in Dresden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ines_De_Nil

Die Aufarbeitung

Ines De Nils fotografischer Vorlass befindet sich in Berlin, wo der Filmemacher und Kunstwissenschaftler Vinzenz Damm mit ihrem Einverständnis an einem Verzeichnis arbeitet, um diesen Bestand zu erschließen. Vinzenz Damm (*1996) studierte Kunstwissenschaften im Master an der Burg Giebichenstein in Halle, davor Szenische Künste in Hildesheim und war 2022 am Projekt Tuntenhaus Forellenhof 1990 im SMU Berlin als kuratorische Assistenz beteiligt. Er ist seit 2020 künstlerisch freischaffend in den Bereichen Experimentalfilm und Performing Arts tätig; arbeitet und forscht an der Schnittstelle von Film, Text, Archiv zur queeren Subkultur der 80er u. 90er Jahre in Berlin und zum Tier-Mensch-Verhältnis. Er entwickelte Essayfilme mit Bezug zu Themen geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung und Praxen der Selbstermächtigung.

https://www.instagram.com/archiveofdeletedscenes

Termine:

27.3.2026, 19 Uhr — Vernissage und Gespräch mit der Künstlerin

Pressekontakt: Jörg Stolzenburg
(presse@fotoforumdresden.de)